14.01.26 An der Schule für junge Geflüchtete aus den Landkreisen (Feldkirchen bei München)

"Ein Schritt nach vorn" mit den Schülern und Schülerinnen an der BIK

„Ein Schritt nach vorn“ mit den Schülern und Schülerinnen an der BIK

Beitragsbild: privat

Das gibt es nur in Bayern, Sachsen und Hamburg: Schulklassen speziell für junge, meist unbegleitete Flüchtlinge im Alter von 16 bis 21 Jahren. Was klein in Riem begann (drei Klassen) hat sich aufgrund der in Windeseile steigenden Nachfrage aus den umliegenden Landkreisen in eine große Schule im Gewerbegebiet in Feldkirchen bei München mit 18 (!) Klassen aus 47 (!) Ländern gewandelt. In allen anderen Bundesländern endet das Angebot mit einem zweijährigen Sprachkurs, der nicht nach Altersgruppen und ihren Bedürfnissen unterscheidet. Wer aber es ins BIK kommt und bleibt, lernt nicht nur Deutsch und wird für den Arbeitsmarkt vorbereitet (Jahrgang 2025: zu 100% in Lehrstellen oder Arbeit vermittelt), sondern – und da kommen wir ins Spiel – für den / die steht auch die „Festigung demokratischer Handlungskompetenzen (Werte- und Demokratiebildung)“ als Schulschwerpunkt auf dem Lehrplan. Vor uns sitzen 30 junge Schüler und Schülerinnen, Sprachniveau B1, Abschlussklasse der Schule, alle unglaublich aufmerksam und – das lieben wir – diskussionsbereit. „Wisst ihr was ‚Amnesty‘ bedeutet?“, fragen wir. Ein junger Ukrainer meldet sich: „Vergessen.“ Ja, genau! Eine Strafe erlassen ist, sie ‚zu vergessen‘. Kaum fangen wir an über das Recht auf freie Meinungsäußerung zu sprechen, nicken die Köpfe. Wir erzählen, dass jeder, allerdings ohne beleidigend zu werden, seine Meinung auf Plakaten allein durch die Stadt tragen darf, ab zweien mit Anmeldung beim KVR. Und berichten von unseren eigenen Erfahrungen, denn manchmal sieht die Polizei das anders und dann muss man erst mal erklären, dass man schließlich das Recht dazu hat. „Das kann ich in Afghanistan so nicht sagen! Dann komme ich ins Gefängnis!“ wirft ein junger Mann ein. „Hier habe ich Freiheit“, sagt sein Nachbar. Und wieder nicken die Köpfe. Wir stellen einen Einzelfall von AI vor, aus Myanmar, wo keiner der Anwesenden her kommt. Und gleichzeitig wissen wir von den Lehrern: Hier haben wir Jugendliche, die vielleicht ähnliche Menschenrechtsverletzungen erlebt haben, denn keiner flieht freiwillig. Unser Foto zeigt viele, viele Füße während der Übung „Ein Schritt nach vorn“: Hierbei schlüpfen alle in das Leben einer ausgedachten Person (über ausgeteilte Rollenkärtchen); Schritte nach vorn macht nur, wer in dieser Rolle Chancen hat (z.B. ein Schritt für „ich kann jederzeit zum Arzt gehen“ oder „ich darf lieben, wen ich will“ oder „ich habe genug Geld, um einmal in der Woche ins Kino zu gehen). Es war ein auch für uns – Carsten und Isabel – unglaublich bereichernder Workshop und wir wünschen Euch auch Eurem Weg in Deutschland viele, viele Schritte nach vorn.